Mein perfekter Arbeitstag – wie bewusste Planung aus Fremdsteuerung Selbststeuerung macht
Viele Menschen erleben ihren Arbeitsalltag als getaktet von außen: Termine, E-Mails, Anrufe, spontane Rückfragen. Der Kalender ist voll, der Posteingang ebenso – und trotzdem bleibt am Ende des Tages oft das Gefühl, nicht an den wirklich wichtigen Aufgaben gearbeitet zu haben.
Ein „perfekter Arbeitstag“ bedeutet für mich nicht, dass alles reibungslos läuft oder nichts Ungeplantes passiert. Er bedeutet, dass Struktur, Fokus-Zeiten und bewusste Planung dafür sorgen, dass ich handlungsfähig bleibe. Dass ich entscheide, womit ich mich beschäftige – und nicht ausschließlich reagiere.
Der folgende Tagesablauf zeigt, wie sich durch gezielte Zeitblöcke, realistische Puffer und feste Planungsphasen mehr Ruhe, Klarheit und Wirksamkeit im Büroalltag erreichen lassen.
Der Tag beginnt nicht mit Reaktion, sondern mit Bewusstsein
7:30 Uhr – Ankommen und den Arbeitstag bewusst starten
Der Arbeitstag beginnt nicht mit der ersten E-Mail, sondern mit einem kurzen Ankommensritual: PC anschalten, Kaffee holen, gedanklich in den Tag starten. Dieser Moment ist bewusst gewählt.
Warum?
Weil unser Gehirn Übergänge braucht. Wer ohne Pause vom Privaten direkt in den Arbeitsmodus springt, bleibt innerlich oft im Reaktionsmodus. Ein festes Startritual signalisiert: Jetzt beginnt die Arbeitszeit – strukturiert und bewusst.
Fokus vor Kommunikation – die wichtigste Aufgabe zuerst
7:40 Uhr – Die wichtigste Aufgabe des Tages erledigen
Noch bevor E-Mails oder Termine den Ton angeben, widme ich mich der wichtigsten Aufgabe des Tages. Das ist die Aufgabe, die den größten fachlichen oder strategischen Nutzen bringt – nicht unbedingt die dringendste, sondern die wirkungsvollste.
Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt:
- die Konzentration ist hoch
- es gibt kaum Unterbrechungen
- das Gehirn ist noch nicht „überladen“
Diese frühe Fokus-Zeit ist ein zentraler Hebel gegen Fremdsteuerung. Wer seine wichtigste Aufgabe zuerst erledigt, stellt sicher, dass sie nicht dem Tageschaos zum Opfer fällt.
Alternativ können Sie auch in dieser Zeit eine Aufgabe erledigen, die Sie schon länger vor sich her schieben – die sogenannte Tageskröte. Mehr dazu in diesem Beitrag: Kröte des Tages essen
Führungskraft & Assistenz: Morgentliches Briefing
Diese 15-20 Minuten am Morgen nutzen Führungskräfte und Sekretärinnen idealerweise, um den Tag durchzugehen. Bei dem morgentlichen Briefing wird geklärt, welche Mails wichtig sind, welche Besprechungen anstehen und welche Telefonate erledigt werden müssen. Mehr dazu in meinem Praxisbeispiel zum Daily Standup.
E-Mails als Aufgabe – nicht als Dauerbeschäftigung
8:00–8:30 Uhr – E-Mails nach dem Sofort-Prinzip bearbeiten
E-Mails werden in klar definierten Zeitfenstern bearbeitet – nicht permanent nebenbei. Das Sofort-Prinzip sorgt dafür, dass jede E-Mail nur einmal entschieden wird:
- sofort erledigen
- delegieren
- terminieren
- löschen
Der Posteingang bleibt dadurch übersichtlich und verliert seinen Stressfaktor.
Wichtig ist: E-Mails zu bearbeiten ist eine Aufgabe – keine Daueraktivität. Sie laufen sonst Gefahr, sich von den Mails durch den Tag treiben zu lassen.
Planung ist kein Luxus, sondern Voraussetzung
8:30–9:00 Uhr – Tagesstruktur und Vorbereitung
Bevor Besprechungen starten, folgt eine kurze, aber entscheidende Planungsphase. In dieser Zeit wird der Tag aktiv gestaltet:
- Termine werden überprüft
- Aufgaben realistisch eingeplant
- Prioritäten bewusst gesetzt
- Pufferzeiten berücksichtigt
Viele empfinden Planung als „Zeitverlust“. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall:
Wer nicht plant, wird geplant. Planung bedeutet, den eigenen Handlungsspielraum zu nutzen – bevor äußere Anforderungen ihn vollständig füllen. Wichtig dabei: Planen Sie schriftlich. Pläne, die wir nur im Kopf machen, werden schnell wieder verworfen.
Besprechungen realistisch einplanen
9:00–10:00 Uhr – Besprechung
Besprechungen gehören zum Arbeitsalltag. Entscheidend ist, wie sie eingebettet sind. Eine gute Besprechung hat:
- ein klares Ziel
- eine Agenda
- ein definiertes Ergebnis
So wird sie zu einem Arbeitsinstrument – nicht zu einem Zeitfresser.
💡Tipp: Schreiben Sie das Protokoll live in der Besprechung in OneNote. So ist es am Ende der Besprechung fertig, es muss nicht per Mail verteilt werden und Aufgaben können in Outlook eingeplant werden.
💡Tipp: Planen Sie Ihre Agenda mit genauen Zeiten. Durch das Time-Boxing wird nicht mehr unendlich über den ersten Tagespunkt gesprochen und die anderen Tagespunkte müssen verschoben werden.
Fokus-Zeiten mit eingebautem Puffer
10:00–11:30 Uhr – Fokus-Block nach der Besprechung
Dieser Fokus-Block liegt bewusst nach der Besprechung. Der Grund ist einfach und praxisnah:
Besprechungen enden selten exakt pünktlich. Oft entstehen im Anschluss kurze Zweiergespräche oder Klärungsbedarf.
Durch diesen Puffer:
- entsteht kein Zeitdruck
- bleibt mentale Ruhe
- kann Fokus trotzdem entstehen
Das ist realistische Planung statt Wunschdenken. Fokus-Zeiten funktionieren nur, wenn sie nicht zu eng getaktet sind.
💡Tipp: Tragen Sie Ihre Fokus-Zeiten in den Kalender ein. Dies ist für Sie verbindlicher und Sie werden nicht einfach von anderen verplant.
❓Sollte in der Fokus-Zeit eine Aufgabe erledigt werden, oder können auch mehrere To-Dos abgearbeitet werden?
Das hängt von Ihren Prioritäten ab: Wenn Sie z.B. eine wichtige Auswertung in Excel erstellen müssen, dann benötigen Sie wahrscheinlich die gesamte Zeit dafür. Sie können aber auch mehrere kürzere Aufgaben in diesem Block erledigen (Pomodoro-Technik).
Kommunikation bündeln statt zerstückeln
11:30–12:00 Uhr – Zweiter E-Mail-Block
Ein weiterer klar definierter E-Mail-Zeitraum sorgt dafür, dass:
- Rückmeldungen zeitnah erfolgen
- offene Punkte geklärt werden
- der Vormittag sauber abgeschlossen ist
So bleibt der Kopf frei für die Pause. Wenden Sie auch hier wieder das Sofort-Prinzip an.
Pausen bewusst gestalten
12:00–13:00 Uhr – Mittagessen und Spaziergang
Die Pause ist bewusst bildschirmfrei. Bewegung und Abstand zum Arbeitsplatz sorgen für Erholung – körperlich und mental.
Pausen sind keine Belohnung, sondern Voraussetzung für Leistungsfähigkeit. Wer sie streicht, spart keine Zeit, sondern zahlt später mit Konzentrationsverlust.
Mit einem kurzen Spaziergang nach dem Mittagessen umgehen Sie gleichzeitig das Suppen-Koma.
Der Nachmittag: Struktur statt Durchhalten
13:00–14:00 Uhr – Zweiter Fokus-Block
Nach der Pause folgt ein weiterer Fokus-Block für:
- Projektarbeit
- Aufgaben mit mittlerem Anspruch
- strukturierte Abarbeitung
Auch hier gilt: Fokus entsteht nicht zufällig, sondern durch klare Rahmenbedingungen.
14:00–15:00 Uhr – Besprechung
Nachmittagsbesprechungen sind bewusst eingeplant und nicht zwischen andere Aufgaben geschoben. Das reduziert Fragmentierung und mentale Erschöpfung.
Nachbereitung verhindert gedankliche Dauerlast
15:00–15:30 Uhr – Besprechung nachbereiten
Dieser Block ist essenziell:
- Aufgaben werden festgehalten
- Verantwortlichkeiten geklärt
- erste To-dos direkt erledigt oder eingeplant
Ohne Nachbereitung bleiben Besprechungen „offen“ – und belasten mental weit über den Termin hinaus.
Der Tag endet nicht im Chaos
15:30–16:00 Uhr – Letzter E-Mail-Block
Ein letzter, klar begrenzter E-Mail-Zeitraum sorgt für einen sauberen Abschluss der Kommunikation. Der Arbeitstag endet nicht im Reaktionsmodus, sondern kontrolliert.
Ordnung und Planung sind kein Extra – sie sind entscheidend
16:00–16:30 Uhr – Tagesabschluss und Planung für morgen
Der bewusste Abschluss ist ein zentrales Element:
- gesendete E-Mails werden abgelegt
- Mails, bei denen Sie noch auf eine Antwort warten mit Fähnchen gekennzeichnet
- Papierablage (falls notwendig) und Schreibtisch geleert
- der nächste Tag vorbereitet:
- wichtigste Aufgabe festlegen für den nächsten Morgen festlegen
- Besprechungen vorbereiten (z.B. Unterlagen lesen, eigene Präsentation vorbereiten)
- To-do-Liste priorisieren, damit Sie wissen, welche Aufgaben in Ihren Fokuszeiten erledigt werden sollten
Ordnung im Außen schafft Klarheit im Inneren. Wer den nächsten Tag vorbereitet, startet fokussierter, ruhiger und mit mehr Kontrolle.
Fazit: Gute Arbeitstage sind gestaltbar
Mein perfekter Arbeitstag ist nicht perfekt, weil alles planmäßig läuft.
Er ist perfekt, weil bewusste Planung, Fokus-Zeiten, Puffer und Ordnung dafür sorgen, dass ich meinen Arbeitstag aktiv gestalte.
Selbststeuerung ist kein Zufall.
Sie ist das Ergebnis guter Organisation.
Wie sieht Ihr perfekter Arbeitstag aus?
Meike Kranz ist seit 2006 als Expertin für Büroorganisation tätig und hat seitdem in firmeninternen Seminaren und Online-Kursen mit großem Erfolg bereits über 1000 Teilnehmern gezeigt, wie sie effizienter und effektiver arbeiten können. In praxisnahen und sofort umsetzbaren Tipps zeigt sie, wie man sich in Papier- und Dateiablage, E-Mail-Bearbeitung und täglichen Arbeits-Prozessen perfekt organisiert und dadurch bis zu 50% Zeit einsparen kann.



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